Simone Meier hat sich in den letzten Jahren bereits als Journalistin und Buchautorin hervorgetan. Mit «Reiz» legt sie den dritten Teil einer lose zusammenhängenden Romantrilogie vor. Ihr Roman fängt die Irrungen und Wirrungen des Zeitgeistes ein, um sie immer wieder auch ins Satirische zu verzerren. Valerie, eine Journalistin, die mit ihrem Beruf hadert, jettet nach Dallas, trifft eine Schauspielerin in Berlin, begegnet ihrem alten Schauspieler-Freund in Zürich. Diese souverän erzählten Passagen sind von launigen Abschweifungen zur Kultur der 80er, zu Kinofilmen und Serien, zu prägenden Momenten der Jugendzeit durchzogen. Besonders Valeries Erinnerungen an ihre Grossmutter setzen einen feinen Kontrapunkt zum flirrenden Oberflächenspektakel. Weitere Figuren wie Luca und dessen Mutter, die mit einer Frau zusammenlebt, deuten an, dass in diesem vom Kuratorium mit einem Werkbeitrag ausgezeichneten Roman ein Netz von Lebensweisen gewoben wird, die repräsentativ für unsere Zeit sind. Daniel Goetsch

 

 

SIMONE MEIER, *1970, Zürich, Literatur, Werkbeitrag CHF 20’000. Wikipedia, Verlag Kein & Aber, Einblick Verlag mit Buchvorstellung und Lesung von Simone Meier ab Minute 12: Kein & Aber

Visuals: Buchcover © Kein & Aber; Porträtbild © Ayse Yavas